Texte

Männer in Bewegung und wie der Herr Pastor sich bewegt für mich einsetzte!

Eigentlich ein trauriger Anlass hatte meine Familie und mich eine Woche zuvor die kleine Kirche der Dreifaltigkeit in Collinghorst besuchen lassen.

Dort aufmerksam geworden, dass am nächsten Gottesdienst der Männerkirchenkreis des Ortes die Kirchenstunde mit gestalten würde und dadurch Handwerkszeug, wie Säge, Kneifzange oder Bohrmaschine vorne beim Altar zu sehen sein könnten.

Da dachte ich so bei mir, das kann ja was werden.

Der Herr Westphal hatte mich ohnehin inspiriert, so dass ich insgeheim schon einen erneuten Besuch in Erwägung gezogen hatte.

Die Woche verging wie im Fluge und schon stand der Sonntag wieder vor der Tür.

Ein paar Tage vorher hatte ich meiner Schwägerin dieses mitgeteilt, wobei sie neugierig geworden war.

Kurzum saßen wir erneut, aber ohne großen Familienanhang, um 10:00 Uhr auf der Kirchenbank.

Das Glockengeläut vor der Kirche war laut genug, so dass ich hellwach die Kirchenstunde meine volle Aufmerksamkeit schenken konnte.

Der Orgelspieler schlug die Tasten an und es zog sich meiner Meinung nach etwas in die Länge, was ich auch an den Gesichtern anderer Kirchenteilnehmer entnahm.

Schlagartig schien die Stille den Kirchenraum zu übernehmen.

Ein Herr des Männerkreises trat nach vorne ans Mikrofon und vertrieb die kurze Ruhephase mit ungefähr den Worten: „Brücken, ob Eselsbrücken oder richtige Brücken, alles verbindet und setzt, wenn man sie gebraucht, Bewegung voraus.“

Was schließlich, das Motto dieser Kirchenstunde zu sein schien. „Männer und Bewegung“.

Was mir dazu spontan einfiel: Zwei Komponenten prallen aufeinander!

Was der Herr in dem schwarzen Talar zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte, war die Tatsache, dass ich durch meinen Kirchenbesuch ihn noch ordentlich in Bewegung setzen würde.

Doch zuvor lud uns das Kirchenoberhaupt zur Teetafel ins Gemeindehaus nach dem Gottesdienst ein.

Kaum hatten wir Platz genommen, wurde uns freundlich Tee gereicht und ein bekannter Herr meiner Begleitung setzte sich zu uns an den Tisch und eine nette Gesprächsrunde begann.

Schnell schien die Zeit zu vergehen. Die ersten Gäste verabschiedeten sich und der Pastor kam noch zu uns an den Tisch, wobei Anekdoten und kleine Scherze die Runde nahmen.

Immer noch nicht darauf vorbereitet, was noch auf uns zukommen sollte.

Die Frauen des Männerkreises drängten aber sehr höflich zum Ende der Teezeremonie.

So machten wir uns auf den Weg zum Parkplatz, wo mein ansonsten zuverlässiges, älteres Fahrzeug stand.

Es sollte uns nun zum Haus meiner Mitfahrerin befördern.

Diese Beförderung blieb allerdings aus, als ich den Zündschlüssel drehte und mit Erschrecken feststellen musste, dass ich das Licht die ganze Zeit hatte brennen lassen.

Meine ohnehin geschwächte Batterie brach unter der Belastung zusammen.

Kurzerhand rief ich meinen Bruder, der in der Nähe wohnte an und der sich sofort bereit erklärte, mich bzw. uns aus der Miesere zu befreien.

Seinen Angaben nach würde er in zwei Minuten zur Stelle sein.

Dieses trug sich allerdings eine kleine Weile hin, so dass der freundliche Herr im schwarzen Talar die Szenerie betrat und sofort seine Hilfe zur Verfügung stellte.

Der Vorschlag seinerseits, das Fahrzeug anzuschieben und so im 2. Gang zu starten, kam gut an.

Ein Ehepaar trat hinzu und sie gaben den Vorschlag, dieses mal im 3. Gang zu versuchen, da dem Herrn Pastor und meiner Schwägerin allmählich die Luft ausging.

Gerade den letzten Fehlversuch beendet, kam mein Bruder um die Ecke und sah, wie der Herr im Talar und meine Begleitung sich abgemüht hatten.

Nach kurzer Überbrückung des Motors sprang mein Fahrzeug an als ob nichts gewesen wäre.

Mein Bruder erwähnte später, dass er sich in seiner Arbeitskleidung in Anwesenheit des Herrn Pastors unwohl gefühlt hatte.

Darauf fragte ich ihn: „Was denkst du, was er trug?“

Fazit unseres abenteuerlichen Kirchenbesuches war, das das Motto getragen hat:

Über Brücken und Männer in Bewegung!

Irgendwie hatte sich auf kurioser Art und Weise alles in kurzer Zeit nach dem Gottesdienst auf dem Parkplatz zugetragen.

Der Herr Pastor war heftig in Bewegung gekommen aber letztendlich, die Überbrückung brachte den gewünschten Erfolg!


„Das Wort“

Du glaubst nicht an das Wort!
Aber du glaubst an die Gedanken.
Was sind Worte anders, als Gedanken?
Gedanken gehören uns, aber das Wort gehört allen.
Es ist verdammt einfach, das Wort.
Nur die Benutzung des Wortes ist so vielseitig und gleichzeitig herrlich.
Denn wir sind es, die dem Wort, Wörter, Gedanken und Bilder hinzufügen.
Die, die sich Wortakrobaten nennen.
All Jene, die mit uns spielen.
Wir können Welten erschaffen.
Existenzen auslöschen.
Leben geben und nehmen.
Wir dürfen alles!
Niemand wird uns aufhalten, denn das Wort steht!
Vielleicht stand das Wort schon immer?
Wir sind da, um den Menschen das Fürchten zu lehren oder das Glück des Lebens zu schenken.

Das Wort ist das Pseudonym des Menschen!


Der Waldsee

Das sonnendurchflutete Wäldchen mit dem moorigen Untergrund, der dicht gewachsene Farn und die Brombeersträucher, die sich an meinen nackten Füßen ritzen.

Die Blätter, die sich mit dem Wind drehen und mal ihre matte und dann ihr silbriges Gesicht zeigen.

Die Vögel, die durchs Unterholz rascheln, dabei das Laub umwälzen und darauf hoffen, dass sich kleines Getier zum verzerr findet.

Die abgebrochenen Äste auf dem eingelaufenen Weg, die unter meiner Last zerbrechen.

Die vielen Erdwurzeln der Bäume, die sich hart in die Fußsohlen bohren und sich den Zehen und Fußkanten hier und dort in den Weg stellen.

Die tiefhängenden Kronen der Bäume und das Buschwerk, die mal sanft beim Vorbeigehen die Haut streicheln oder kratzen.

Vögel, die von Baum zu Baum fliegen und durch ihren Schattenwurf die Symmetrie des Lichteinfalls stören.

Der warme Fönwind, der die Bäume im Winde beugt und mir mal kühler über die feuchte und behaglich über die trockene nackte Haut fährt.

Der weiche Moorrast, der im Schatten der Bäume mal kühl und in Lichtungen sich warm meinen Fußsohlen entgegenstellt.

Das weiche Gras, das ein wenig pickst unter dem Po aber zum verweilen einlädt.

Der wundervolle Seeblick, der bis zur anderen Uferböschung reicht und sich an dem Treiben auf und am See durch Mensch oder Tier verfängt.

Das grelle Licht der Sonne, das die Augen blendet, der Haut ohne Schutz ihren Brand aufdrückt und dabei angenehme Wärme auf meinen Körper nieder strahlt.

Der feuchte nasse Sand, der unter den Füßen knirscht, das kühle Wasser, das mich in meiner ganzen Natur umgibt und in dem ich mich so umhüllt und wohl fühle.

All diese Elemente, die ich erlebe und mit der ich im Hier und Jetzt verschmelze.

Selbst ein Wesen in dieser Natur, aus organischem Gewebe wie so vieles um mich herum, bedeutet Leben.

Ein kleines Stück Natur, wie sie ein jeder einmal braucht.


Das Krankenhaus

Kaum bist du drin, kommst nicht mehr raus, wo bist du dann?

Im Krankenhaus.

Gerade eingewöhnt, beim Arzt ein bisschen rumgestöhnt.

Was ist, so habe ich doch Recht, die Welt im Kern auch schlecht.

Ich mein‘, es sollte wohl so sein: Im Zimmer liegst du nicht allein.

Kaum kennt man den Nachbarn, fast Kollegen, muss man schon wieder Abschied nehmen.

Dann denk ich so bei mir: Schnell ist die Welt, was bist du doch für ein Held.

Hier liegst du rum, hast nichts zu tun, könntest eigentlich auch etwas ruh‘n.

Ausruhen von den Strapazen der letzten Tage.

Man, oh man, war das ‘ne Plage.

Ach so: Das waren bei dir schöne Tage.

Tage in Freiheit daheim, was war das fein.

Nun bist du hier und alle zuhause bedauern dich. Das glaubst du doch wohl selber nicht.

Denn zuhause musst du ran, wird alles schnell getan.

Doch nun ist es erst mal vorbei mit der Arbeiterei.

Du brauchst nicht stöhnen, dir nichts vormachen, ruh dich aus und lass die anderen die Sachen.

Irgendwann kommst schon noch raus, bleibe ruhig wir reißen dir den Kopf nicht aus.

Das ist doch nur das Krankenhaus.

Somit ist die Geschichte aus!


Brötchen holen

Mit einem irren Sound aus dem Handy von meiner Freundin wurden wir in den Morgen hinein katapultiert.

Warum hatte Sie nicht ihren eigentlichen Sound „Guten Morgen, Sonnenschein“ darauf gelassen, dachte ich noch so bei mir.

Durch den plötzlichen Ausschlag des Lautstärkepegels schlugen meine Augenlider innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde schlagartig in höchster Stellung und verkrampften Vorort.

Meine Augenlider brannten und meine Augäpfel drohten auszutrocknen, da die Tränendrüsen durch die Stellung der Lider keine Möglichkeit sahen, ihre Arbeit nachzugehen um die Augen zu befeuchten.

Um dieser katastrophalen Lage entgegenzuwirken, befeuchtete ich meine beiden Zeigefinger mit Spucke, um die Augäpfel damit synchron zu benetzen.

Diese Synchronarbeit erinnerte mich an Schwimmer oder Turmspringer.

In meinem Fall war es wohl der Turmspringer, der vorzeitig vom Sprungbrett sprang.

Somit stach ich nicht gerade gekonnt mit dem linken Zeigefinger in mein linkes Auge um kurz darauf mit dem rechten Zeigefinger in das rechte Auge zu stechen.

Statt Linderung zu erhalten wurde durch die grobmotorische Handlung meine Tränendrüsen derartig gereizt, dass diese nun überschwänglich Augenflüssigkeit abgaben, wobei sich meine Augenlider entkrampften und mir dann völlig entglitten.

Plötzlich war ich blind. Was konnte jetzt noch passieren?

Natürlich hat ich Angst im Dunkeln, wie fast alle Männer!

So dass ganz nebenbei sich mein Puls beschleunigte und sich ein Druckaufbau in meinem Schädel aufstaute, der mir langsam Sorgen machte.

Aber niemand schien das, außer mir, mit großer Sorge zur Kenntnis zu nehmen.

Nun gut, außer mir war ja nur noch meine Freundin im Zimmer und ihr etwas größerer und mein kleinerer Hund, die sich noch träge auf dem Boden wälzten und so taten, als wenn es ihnen nichts anginge.

Dann hörte ich nebenbei eine Stimme aus der Richtung, wo meine Freundin lag, sagen: „Schatzi, kannst du uns eben Brötchen holen?“

Irgendetwas zwang mich zur Zurückhaltung.

Doch mein Blutdruck schien das nicht zu interessieren.

Ganz im Gegenteil schien es damit steil aufwärts zu gehen, so dass mein Kopf zu zerspringen drohte.

Wieder einmal stand ich allein mit meinen Problemen, vielmehr lag ich.

 Dann hörte ich erneut die Stimme sagen: „Schatzi, gehst du bitte Brötchen holen?!"

Nichts von der Tragödie mitbekommen, schlang sie ihre Arme um mich und wartete anscheinend auf Antwort.

Nun, wo ich mit Blindheit beschlagen und mein Gesundheitszustand rapide abnahm, wollte ich ihr gerade meine misslichen Lage erklären, mit ungefähr den Worten: „Du blöde Kuh, siehst du nicht wie schlecht es mir geht?“

Doch stattdessen reiße ich mich zusammen, torkel ins Bad, schwinge mich auf meinen Drahtesel, hole die Brötchen und freue mich schon sehr darauf, mit meiner lieben Freundin zu frühstücken.

Denn das hat man ja auch nicht alle Tage.


Wortspielerei

Am frühen Morgen treffen sich Mann und Frau beim Vorbeigehen.

Sagt die Frau zu dem Mann freundlich: „Guten Morgen.“

Der Mann seinerseits, etwas abwesend und schlecht gelaunt, antwortet abrupt.

Somit entsteht folgende Konversation:

 

Frau:    Guten Morgen.

Mann:  Könnt ich schon tot sein.

Frau:    Was haben Sie gesagt?

Mann:  Ach nichts.

Frau:    Doch, Sie haben gemurmelt!

Mann:  Ja, wenn Sie mir heute schon Morgen wünschen.

Frau:    Das ist doch nicht so gemeint, weil der Tag doch am Morgen anfängt.

Mann:  Wieso soll der Tag mit dem Morgen anfangen? Für mich ist der Tag heute.

Frau:    Das ist richtig. Aber heute Morgen, wollte ich Ihnen doch nur einen guten Morgen wünschen!

Mann:  Nun fangen Sie nicht mit heute Morgen an. So etwas gibt es nicht. Schließlich haben wir auch kein heute gestern.

Frau:    Nein, natürlich nicht. Aber jeder Tag fängt mit dem Morgen an und endet mit dem Abend, der dann in die Nacht übergeht.

Mann:  Der Tag heute begann früh und bald ist Mittag. Dass dann der Abend kommt und dieser in die Nacht übergeht, steht hier nicht zur Debatte.

Frau:    Entweder wollen Sie das nicht kapieren oder Sie sind von gestern.

Mann:  Wieso von gestern, man lebt immer nur im Heute und im Jetzt!

Frau:    Diesen Satz haben Sie sehr klug gewählt.

Mann:  Was wollen Sie damit sagen?

Frau:    Hätte ich Ihnen heute gar nicht zugetraut.

Mann:  Wann dann? Morgen?

Frau:    Das zeigt mir nur, dass Sie nicht von …

 


Ein schwarzer Tag

Ostermorgen im Jahr 1972

Ich hatte sehr unruhig geschlafen und wälzte mich von einer Seite auf die andere. Dabei vergaß ich im Halbschlaf ganz, wo ich mich im Moment befand. Doch das ist für einen Achtjährigen wohl nichts Außergewöhnliches. Vor allem ging mir Ostern nicht aus dem Kopf. Daher tat ich beim Herumwälzen eine Drehung zu viel.

Der Flug war nur kurz, doch der Aufprall büßte in seiner Härte nichts ein. Benommen und leicht röchelnd fand ich mich auf dem Fußboden wieder. Plötzlich wusste ich, wo ich mich vorhin noch befand. Es war das Etagenbett.

Ein höhnisches Gelächter drang an mein rechtes Ohr. Es war mein Bruder, der unter mir schlief. Auch ihn hatte ich vergessen. Es wäre auch besser für ihn gewesen, wenn er dort geblieben wäre, denn ich würde mich rächen. Aber jetzt war ich nicht in bester Verfassung. Etwas stimmte nicht mit meinem Kopf. Eine Deformierung war eingetreten.

Die Beule an meiner Stirn nahm schnell an Umfang zu. In so einer Situation sollte man einen ruhigen Kopf bewahren. Nun, ich war kein Held und daher schrie ich aus Leibeskräften nach meiner Mutter.

Von Panik erfasst rannte ich durch das Obergeschoss der Treppe entgegen. Durch mein Geschrei, hatte ich meine Schwester in Bewegung gebracht, die ganz in der Nähe der Treppe stand.

Ungewollt versetzte ich ihr beim Herannahen einen kräftigen Ellenbogenschlag in die Seite. Jeder Spitzensportler wäre stolz auf meine Schwester gewesen, die nun mit einer irrsinnigen Geschwindigkeit die Treppe hinunterjagte und trotz der kurzen Distanz drei Purzelbäume schaffte und dabei Katzengleich, ob gewollt oder nicht, auf die Füße landete.

Für diese akrobatische Leistung hatte ich jedoch kein Auge. Denn auch ich war in meiner Not einem Geschwindigkeitsrausch erlegen und befand mich nur einen Sekundenbruchteil später an dem Ort, wo meine Schwester gerade zum Stehen kam. Dies verursachte natürlich einen erneuten Kontakt, der meine Schwester sehr unsanft auf den Hosenboden beförderte.

Mein Wehklagen war noch nicht verklungen, als plötzlich die Tür aufgerissen wurde und mir meine Mutter überdimensional groß in der Tür erschien. Schnell hatten ihre klugen Augen die Lage erfasst.

Voller Hoffnung lief ich auf sie zu. Auch sie schritt mir fast im gleichen Moment entgegen. Ihre klugen Augen erfassten die Situation. Somit verfehlten wir uns lediglich um einen Meter und so sauste sie an mir vorbei und half meiner kleinen Schwester wieder auf die Beine.

Ich währenddessen torkelte in die Küche und nahm den ölgetränkten Lappen, den meine Mutter im Chaos auf der Spüle zurückgelassen hatte und drückte sie auf meine immens angeschwollene Ausbuchtung an der Stirn.

Ein Stöhnen entrann sich meiner Kehle. Die Kühlung tat mir einfach gut. Somit bemerkte ich kaum, dass mir das Speiseöl übers Gesicht lief und sich zu einer Pfütze bei meinen Füßen sammelte, die gerade auf den neuen Perserläufer standen.

Mein Vater, der sich mit mir die Küche teilte, besaß ebenfalls diese klugen Augen!